Die Erstattungsfähigkeit von Sachverständigenkosten mutiert allmählich zum "Dauerbrenner" bei deutschen Gerichten. Die Streitfrage entsteht aufgrund der Tatsache, dass der Kostenersatz eines KFZ-Sachverständigen, der ein beschädigtes Fahrzeug begutachtet und hinsichtlich des entstandenen Sachschadens ein Gutachten erstellt, nicht gesetzlich geregelt ist.

Der Bundesgerichtshof führte hierzu bislang aus, dass derjenige Aufwand zu ersetzen ist, der vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und angemessen erscheint (vgl. BGHZ 115,364 [369], BGHZ 160,377 [383]). Zwar ist der Geschädigte im Rahmen des ihm Zumutbaren gehalten, den wirtschaftlicheren Weg der Schadens behebung zu wählen - der Geschädigte ist jedoch grundsätzlich nicht zur Erforschung des ihm zugänglichen Marktes verpflichtet, um einen für den Schädiger und dessen Haftpflichtversicherer möglichst preisgünstigen Sachverständigen ausfindig zu machen (BGH NJW 2007, 1450).
Diese Rechtsprechung lässt weiten Interpretationsspielraum zu, welcher in jüngster Vergangenheit zu mehreren Urteile diesbezüglich geführt hat. Auch unsere Kanzlei hat einige obsiegende Urteile erwirkt, die ausschliesslich zugunsten des Geschädigten ausfielen (zB AG Erding 2 C 792/09).

Nunmehr hat das Amtsgericht München in einer neueren Entscheidung klargestellt, dass dem Geschädigten grundsätzlich die vollständigen Sachverständigenkosten zu ersetzen sind, sofern nicht eine offensichtlich willkürliche Rechnung vorliegt und überhöhte Rechnungsposten für ihn nicht feststellbar sind. Selbst wenn die Rechnung insgesamt oder in einzelnen Positionen tatsächlich über dem Durchschnitt dessen liegen sollte, was der Bundesverband freier KFZ-Sachverständiger (BVSK) in seiner Tabelle ermittelt, so trägt das Risiko hierfür grds. nicht der Geschädigte. Der Gutachter ist nicht Erfüllungsgehilfe des Geschädigten (AG München vom 7.06.2011, Az. 331 C 8376/11).

Aufgrund dieser Rechtsprechung bleibt zu hoffen, dass die betroffenen Haftpflichtversicherungen in Zukunft ihre klare Verweigerungshaltung aufgeben und zugunsten des Geschädigten kooperativer, rascher und unbürokratischer regulieren.


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